Radkomm #4

Die Radkomm – Kölner Forum Radverkehr, stand in diesem Jahr ganz im Zeichen der „Volksinitiative Aufbruch Fahrrad“, die über einen Radentscheid in NRW die Mobilitätswende einleiten soll. Bevor aber auf der Radkomm der Start des Radentscheides offiziell eingeläutet wurde gab es noch die üblichen Eröffnungsansprachen, das Grußwort der Oberbürgermeisterin und der Start von „Stadtradeln Köln“…

Als erfrischender Höhepunkt des Vormittags gab es den Vortrag von Prof. Dr. Hermann Knoflacher aus Wien, der mit sehr deutlichen Worten beschrieb, wie sich das „Virus Auto“ in unserem Kopf und in den Strukturen festgesetzt hat. Der Oberbürgermeisterin gab er dann auch deutlich mit auf den Weg, dass nur eine grundsätzliche Veränderung eben dieser Strukturen unsere Städte wieder lebenswert für die Menschen machen kann.

Die am Nachmittag stattfinden Workshops deckten dann ein sehr breites Spektrum an Themen ab, was von Radentscheid und Pressearbeit über einen Austausch zwischen den Polizei-Fahrradstaffeln aus Berlin und Köln, Fahrraddemos für saubere Luft bis hin zum Thema Fußverkehr reichten. Leider konnten aus Zeitgründen die Erkenntnisse oder Ergebnisse aus den Workshops am Ende nicht in das Plenum zurück getragen worden. Eine Zusammenfassung aus allen Workshops gibt es aber demnächst auf www.radkomm.de.

Voraub berichten wir hier zumindest ein weng von dem Workshop „Geht doch!“ (der Titel geht zurück auf einen lesenswerten Schwerpunkt der Kölner Stadtrevue), den wir als Agora Köln mitgestaltet haben. Moderiert von Ralph Herbertz (VCD Köln/Agora Köln) und Beiträgen von Jörg Thiemann-Linden (Stadt- und Verkehrsplaner) sowie Dirk Frölich (Themengruppe Mobilität AGORA Köln) ging es um Fußverkehrsstrategien in den Städten allgemein und in Köln im speziellen. Wie müssen sich Wegebeziehungen und Geschwindigkeiten auf das „menschliche Maß“ beziehen um lebenswerten Raum zu schaffen, was kann und muss Stadtplanung hierzu beitragen und welche (positiven) Beispiele gibt es hierfür weltweit? Jörg Thiemann-Linden überschrieb seinem Vortrag „Wie weiter in Köln mit Flächengerechtigkeit und Stadttempo“ und zeigte darin auf, wie Sozialkontakte auch Bewegungsfreiheit benötigt und welcher Kontext zwischen sozialem Zusammenhalt und Tempolimit besteht. Zahlreiche Beispiele zu „Nicht-Mobilität“, temporären Lösungen, Bewegungsförderung oder der Entwicklung des barrierefreien ÖPNV wurden aufgezeigt.

Und der kritische Blick auf die eigene Stadt: Wie schaut es in Köln beim Thema Fußverkehr aus (leider nicht so gut) und was kann konkret getan werden. Im Vortrag von Dirk Frölich gab es zu Beginn einen Überblick über die normalerweise geltenden Bestimmungen, Gesetze und Verordnungen denen dann die Realität des Kölner Verwaltungshandeln gegenübergestellt wurde. Aber nicht nur von Seiten der Verwaltung weht dem Fußverkehr Wind entgegen – die Flächenverteilung und der Kampf um den Verkehrsraum muss auch gegen verschiedene Lobbygruppen oder Lifestyle-Erscheinungen, gegen Gentrifizierung oder Sharing Econony geführt werden.

Aber natürlich gibt es auch positive Entwicklungen: Verschiedene Beispiele und Entscheidungen auf Bezirksebene lassen ein Umdenken in Teilen der Politik erkennen und das Thema des „Fußverkehrs“ ist bei vielen Akteuren – nicht nur – der „Mobilitätsszene“ angekommen. Das zeigen die breite Unterstützung des Offenen Brief #GehwegFrei an die Oberbürgermeisterin 2017 (leider immer noch ohne konkrete Antwort), das factsheet #2 Parken der Agora Köln oder die gerade stattgefundene Aktionswoche für #FreieWege.

Hier eine der beiden Präsentation aus dem Workshop als PDF:
Titelfolie des Vortrags "Geht doch!" auf der Radkomm 4

Ein Gedanke zu “Radkomm #4

  1. Schön zu sehen, dass die #Radkomm an Gewicht gewinnt. Erstmals mehr Teilnehmer aus ganz NRW. Die verkehrspolitisch relevante Spitze der Verwaltung war zugegen und auch Politik und Wirtschaft zeigten sich in geballter Stärke. Frau Blome verkündete Priorität für die Ringe und Oberbürgermeisterin Reker kündigte autofreie Sonntage an. Toll! denkt man zunächst ein erster Schritt, aber Halt, ein Schritt in die vollkommen falsche Richtung. Autofreie Sonntage sind in lateinamerikanischen Metropolen, wie Mexiko-Stadt, Buenos Aires, Quito, u.a. seit Jahren Standard. Sie finden meist wöchentlich statt. Ein großes Freizeitvergnügen, dass die Menschen überhaupt erst mal aufs Rad bringt. Wir haben eine komplett andere Verkehrskultur. In Deutschland ist das Fahrrad ein gut etabliertes Fortbewegungungsmittel, dem im Laufe der Jahrzehnte mehr und mehr Raum genommen wurde. Diesen Raum gilt es wieder zu gewinnen. Radfahrer*innen und Fußgänger*innen sind genauso Verkehr wie Autofahrer*innen. Ich nehme da gerne eine Anregung der Kölner FDP auf. Die ehemalige Verkehrsfrau Christraut Kirchmeyer fragte angesichts eines autofreien Tages in Köln. “Wann gibt es den mal einen Tag für den Autofahrer?” Gute Frage, werde ich im kommenden Verkehrsausschuss nachfragen. 22 Juli, das ist der Sonntag zum Ferienbeginn könnte der “Tag des Autofahrens” in Köln werden. Die restlichen 364 Tage gehören Radfahrer*innen , Fußgänger*innen und dem öffentlichen Verkehr. Autofreie Sonntage geschenkt.
    P.S. der Artikel zu autofreien Sonntagen findet sich unter:
    https://www.ksta.de/koeln/initiative-fuer-fahrradfahrer-ob-reker-will-monatlich-einen-autofreien-sonntag-30634896

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