Das gute Leben in den Veedeln, Kalk, Veedelstreffen
Kommentare 1

Kalk, was geht? Agora Veedelsbotschafterin Rejane über aktuelle Projekte und Möglichkeiten, anzupacken

Foto: S. Wolf

Da sag’ noch einmal wer, das Großstadtleben sei anonym und unpersönlich! Viele Menschen engagieren sich für Gemeinschaft und das Gute Leben im Veedel, so auch unsere Veedelsbotschafterinnen und –koordinatorinnen. Unzählige Gespräche mit Nachbar:innen und vielfältige Aktionen vor Ort machen sie zu Expertinnen für ihr Veedel. Was läuft gut, wo können wir noch anpacken und wie erklärt man dieses Berufsbild der eigenen Oma? In Teil eins unserer Portrait-Reihe zu den Agora Veedelsbotschafterinnen und –koordinatorinnen berichtet Rejane Radschinski, was in Kalk gerade so geht.

Kalk auf der Stadtkarte. Quelle: Openstreetmap

Wo wohnst du und was ist dein Lieblingsdetail im Veedel? 

Ich wohne nicht direkt im Veedel Kalk, sondern nebenan in Höhenberg in einer alten Wohnsiedlung. Ich bin aber viel und gerne in Kalk unterwegs. Hier gibt es spannende Orte zu entdecken und viele tolle Menschen kennenzulernen.

Der öffentliche Raum hat für mich eine besondere Bedeutung, daher möchte ich zwei Orte hervorheben: Zum einen den Stadtgarten Kalk als kleine Grün-Oase mit dem breiten Gehweg davor, den ich im Frühjar 2022 für mein Studienprojekt “Ein Starkes Stück Kalk” als Bühne genutzt habe und wo aktuell auch die Wanderbäume stehen (bis Ende Oktober 2022).

Hockerbau-Workshop Ein Starkes Stück Kalk auf dem Gehweg vor dem Stadtgarten Kalk. Foto: S. Wolf

Zum anderen den Kalkgarten vor den Abenteuerhallen Kalk. Offiziell ist das Gelände des Kalkgarten zwar privat, aber er ist öffentlich zugänglich. Die Initiative #tunstadtmachen hat hier einen urbanen Garten als Begegnungs- und Mitmach-Ort initiiert. Dieser bunte Freiraum wird stetig weiterentwickelt und jede:r kann beim wöchentlichen Rödeltag (Donnerstags ab 14 Uhr) mitwirken. Hier finden auch regelmäßig Veranstaltungen statt, wie Public Dinner, Open-Air-Kinos oder Konzerte.

Der Kalkgarten. Foto: R. Radschinski 

Was macht dein Veedel besonders und wo siehst du Herausforderungen?

Ich finde es bemerkenswert mit welcher Beharrlichkeit sich die Menschen hier für ihr Veedel einsetzen, um es zu einem lebenswerteren Ort zu machen. Dabei mitzumachen hat schon eine gewisse Sogwirkung 🙂 Das Besondere an Kalk ist für mich deshalb auch die Beziehung, die ich dadurch mittlerweile zu den Menschen und den Orten aufgebaut habe. Dabei gibt es so viele Akteur:innen, dass ich immer noch nicht alle kenne. Eine Herausforderung für’s Veedel liegt aus meiner Sicht momentan darin, die nachbarschaftlichen und bürgerschaftlichen Initiativen auf verschiedene Weisen zu stärken, damit deren Kräfte nicht verebben. 

Kalk in Zahlen
 Kalk ist mit 24.063 Einwohner:innen das bevölkerungsreichste Gebiet der 11 Kölner Sozialraumgebiete, dementsprechend hoch ist die Bevölkerungsdichte, wie das Amt für Stadtentwicklung und Statistik 2018 berichtet. Fast ein Viertel der Bewohner:innen ist von Arbeitslosigkeit betroffen. Auch der Anteil der Personen, die Grundsicherung im Alter beziehen, ist mit 18,3 Prozent im Vergleich zur Gesamtstadt sehr hoch. Besonders auffällig ist die überdurchschnittlich hohe Zahl der alleinerziehenden Mütter und Väter. Sie liegt mit 29,2 Prozent über der Zahl aller Haushalte in Köln. Gleichzeitig ist der Anteil an Einpersonen-Haushalten mit 56,1 Prozent vergleichsweise gering.

In Kalk leben viele Menschen aus unterschiedlichen Herkunftsländern. Bei einem Spaziergang über die Kalker Hauptstraße kann man Gerüche aus aller Welt erhaschen. Der Anteil der Menschen, die eine Zuwanderungsgeschichte haben, beträgt im Sozialraum 62,5 Prozent. Unter den 18-jährigen sogar 85,2 Prozent.

Wie sieht deine Arbeit als Veedelsbotschafterin aus?

Ich bin seit 2022 Veedelsbotschafterin bei der Agora. Das offensichtlichste sind die Planung, Organisation und Durchführung der Veedelstreffen, sowie das Kuratieren des Veedelsnewsletters. Der Hauptteil der Arbeit liegt aber in der vielfältigen Kommunikation mit den Akteur:innen und Menschen im Veedel. Dazu gehören Treffen, Telefonate und Mails schreiben, die Teilnahme an Veranstaltungen oder Aktionen, aber auch spontane Begegnungen und Gespräche mit Menschen auf der Straße. Wenn ich den Eindruck habe, dass bestimmte Menschen in ihren Anliegen und ihrer Arbeit gut zusammen passen, vernetze ich sie.

Was hat das Veedel vom Veedelstreffen?

Ich verstehe das Veedelstreffen als Möglichkeitsraum, in dem sich Menschen aus dem Veedel gleichberechtigt begegnen können, um sich zu nachhaltigen und nachbarschaftlichen Themen in ihrem Veedel auszutauschen, zu vernetzen und Synergien zu bilden. 

Es ist ein Moment, in dem die anwesenden Menschen wahrnehmen können, welche Beiträge zum guten Leben im Veedel geleistet werden und dass wir darin verbunden sind. Ich denke darin liegt die Kraft und die Bedeutung solcher regelmäßiger Treffen. Es ist wichtig, sich in den gemeinsamen Zielen gegenseitig zu unterstützen und zu bestärken. 
Ich wünsche mir, dass die Veedelstreffen dazu beitragen können, neue motivierte Leute dazu zu gewinnen, um die wertvolle Arbeit der Initiativen auf mehr Schultern zu verteilen.

Wie hat deine Arbeit sich bisher auf das Veedel ausgewirkt? 

Es war schön mitzubekommen, wie durch das letzte Veedelstreffen Kooperationen zwischen verschiedenen Akteur:innen entstanden sind. So haben die Menschen von #tunstadtmachen die Stiftung KalkGestalten bei der Wanderbaum-Aktion unterstützt. Im Gegenzug konnten die Wanderbäume auch für den Kalkgarten genutzt werden. Außerdem freue ich mich immer, wenn sich Menschen oder Initiativen inzwischen an mich wenden, wenn sie Fragen haben oder Unterstützung brauchen.

Die Kalker Wanderbäume werden am 17. September 2022 am Kalkgarten für die erste Wanderung zur Kalker Hauptstraße vorbereitet. Foto: R. Radschinski

Wie grenzt sich deine Arbeit als Veedelsbotschafterin von der Sozialraumkoordination ab? Gibt es da nicht schon genügend Angebote?

Die Arbeit der Sozialraumkoordination umfasst ein viel breiteres Themenspektrum und läuft vor allem über institutionelle Multiplikatore:innen aus den entsprechenden Bereichen.

In meiner Arbeit als Veedelsbotschafterin habe ich einen Fokus auf nachbarschaftliche Themen und Themen aus dem Bereich der nachhaltigen Transformation der Stadt. In diesem Themenkomplex arbeite ich sowohl mit Nachbarschafts- und Bürger:innen-Initiativen aus Kalk zusammen, als auch mit Vereinen bzw. Stiftungen. Darüber hinaus spreche ich Menschen an, die noch nicht entsprechend organisiert sind, sich aber für diese Themen interessieren und einsetzen möchten. Die Veedelstreffen sind offen für alle und eine Möglichkeit, Interessierte mit bereits Aktiven in Kontakt zu bringen.

Wir kooperieren auch mit der Sozialraumkoordination. Für 2023 plant sie das KalkFest und hier ist bereits angedacht, dass wir unterstützen. Das KalkFest wird z.B. auf dem nächsten Veedelstreffen vorgestellt.

Was steht als nächstes an? 

Als nächstes steht erstmal das Veedelstreffen am 20.10.22 Im Bürgerhaus Kalk an. Das wird eine Mischung aus Infos für Initiativen, Erfahrungsberichten von Aktionen und Ausblicken in die Zukunft. 

Wie erwähnt starten gerade die Vorbereitungen für das KalkFest in 2023, bei dem das ein oder andere Nachbarschaftsfest angedockt werden kann. Es gibt erste Überlegungen dazu, wie Wanderbaumalleen in Kalk mitsamt Wanderungen abgestimmt werden können. Außerdem gibt es das Ziel das Format der temporären Spielstraße vermehrt und strategischer umzusetzen und einiges mehr…

Darüber hinaus gibt es aktuell zwei wichtige städtische Projekte hier in Kalk: Es wurde ein Prozess für ein Zentrenmanagement in Kalk angestoßen, um den Einzelhandel zu stärken, der sich auch positiv auf die Aufenthaltsqualität auswirken soll. Außerdem soll die Verkehrsführung auf der Kalker Hauptstraße umgeplant werden. In diesem Prozess setzt sich das Initiativen-Bündnis Verkehrswende Kalk für eine nachhaltige Umgestaltung ein. Bei beiden Projekten ist es gerade enorm wichtig, dieses Zeitfenster zu nutzen, um sich für eine nachhaltige Entwicklung einzusetzen.

Das Initiativen-Bündnis Verkehrswende Kalk und seine Unterstützer:innen übergeben der Bezirksbürgermeisterin Greven-Thürmer am 17. September 2022 die Petition ‘Kalker Hauptstraße autofrei!’ mit bereits 605 Unterschriften. Foto: H.-W. Hermans

Was machst du, wenn du nicht gerade im Veedel tätig bist? 

Ich verbringe Zeit mit meinem Kind, Freund:innen und Familie. Nebenher treibe ich kontinuierlich mein Masterstudium in Public Interest Design weiter. Draußen in der Natur bin ich seelig, brauche aber auch den Kontakt zu den Menschen in der Stadt. Ich klettere gern, mag utopische Geschichten und liebe es auf Konzerte zu gehen, um zu tanzen. Wie schön wäre es, wenn die Straßen voll von tanzenden Menschen wären 🙂

Wer mehr wissen oder direkt mit anpacken möchte, ist herzlich zum Agora Veedelstreffen in Kalk am 20.10.22 im Kinderhaus im Innenhof des Bürgerhaus Kalk eingeladen.

1 Kommentare

  1. Pingback: Wanderbäume in Kalk - die Diashow vom 17.09.2022 - Stiftung KalkGestalten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.