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Sicheres Köln – Millionenstadt! Aber sicher, lebendig und vielfältig

Der Beitrag der Agora Köln zur Arbeitsgruppe “Sicherheit” im Stadtbildforum von IHK und KölnTourismus zur Gestaltung des öffentlichen Raums in Köln

Als Agora Köln setzen wir uns mit 130 Mitgliedsorganisationen und dutzenden Freiwilligen für das  “Gute Leben” ein und für eine Wende hin zur sozialen, ökologischen und ökonomischen Nachhaltigkeit (im Sinne der Agenda 21) in Köln. Die Sicherheit im öffentlichen Raum ist dabei ein zentraler Bestandteil eines Guten Lebens – egal ob es um die tatsächlichen Kriminalitätsraten oder um die ebenfalls relevante gefühlte Sicherheit in der Stadt geht.

Basierend auf unseren Erfahrungen bei der dreimaligen Organisation des “Tag des guten Lebens” sowie in der weiterführenden Nachbarschafts- und Netzwerkarbeit möchten wir insbesondere auf die Bedeutung von Lebendigkeit, Vielfalt und einem Fokus auf die Förderung der Nahmobilität für mehr Sicherheit in der Stadt hinweisen.

Urbane Dichte und eine vielfältige Präsenz unterschiedlicher gesellschaftlicher Gruppen hilft, Sicherheit herzustellen. Durchmischte Viertel mit unterschiedlicher Klientel mit einem lebendigen, vielfältig genutzten öffentlichen Raum schaffen so mehr Aufenthaltsqualität, “soziale Kontrolle” und Sicherheit. Hilfreich sind auch kleine, inhabergeführte Läden mit Öffnung zur Straße oder kleine Gastronomien (mit Außengastro), da sich Besitzer und Gäste für den öffentlichen Raum “verantwortlich” fühlen. Angsträume entstehen im Gegenzug oft in schlecht besuchten oder eintönigen Orten – rund um in sich abgeschlossene Einkaufszentren, in reinen “Reichen-” oder “Armutsvierteln”, in primär touristisch genutzten Räumen oder in Wohnstraßen oder Industriegebieten ohne weitere belebende Faktoren.

Auch eine stärkere Nahmobilität fördert die Sicherheit. Dies betrifft zum einen die oft schweren Unfälle mit Auto- oder LKW-Beteiligung, insbesondere aber nicht nur aufgrund der Raserproblematik. Zudem sind Tunnel und große Autostraßen oft Angsträume, während lebendige, vielfältige Straßen mit Fuß- und Radverkehr eher als sicher empfunden werden. Fußgänger und Radfahrer sind näher “dran” und erkennen Konflikte eher, können Situationen besser beurteilen, durch Ansprache deeskalierend eingreifen oder im Ernstfall Hilfe rufen. Autofahrer dagegen sind weiter weg und können, abhängig vom Verkehrsgeschehen, im Konfliktfall meist nicht eingreifen. Eine Diskussion zur Veränderung über die Nutzung und Gestaltung des öffentlichen Raum mit Blick auf mehr “mehr miteinander” in der Stadt muss stattfinden.

KatharinaSchwartz__MG_6395Positive Beispiele für eine “lebendige und vielfältige Sicherheit” gibt es in Köln zuhauf. So sind am Rathenauplatz viele Gruppen präsent (Boulespieler, Eltern auf Spielplatz, Besucher des Biergartens, Studenten auf Mäuerchen, Obdachlose). Trotzdem gibt es wenige Konflikte, da der Bürgerverein ein attraktives Umfeld geschaffen hat und die verschiedenen Gruppen sich akzeptieren und “aufeinander aufpassen”. Auch die oft als problematisch empfundene Situation auf dem Ebertplatz hat sich durch die Überlassung der Räume an unabhängige Kunst- und Kulturinitiativen des Brunnen e.V. deutlich verbessert. Dieses geschah weitgehend in einer Weise, die “ranständige” Gruppen nicht vertrieben, sondern ihre Präsenz im Stadt Stadtraum toleriert hat.

Auch am “Tag des guten Lebens” haben wir die Erfahrung gemacht, dass Lebendigkeit und Vielfalt auf den Straßen die Sicherheit fördert und die Aufenthaltsqualität im städtischen Raum steigert. So hat es trotz fast 100.000 Besuchern an dem Tag im Gebiet selber kaum Zwischenfälle gegeben. Stattdessen gab es eine enorm hohe “gefühlte Sicherheit”, Kinder liefen alleine und unbeobachtet quer durch das Gebiet, Menschen kamen neu miteinander ins Gespräch und Konflikte wurden überwiegend nachbarschaftlich und im Dialog geklärt. Dies steht insbesondere im Gegensatz zu anderen Großveranstaltungen, bei denen in größerem Umfang Polizeieinsätze notwendig sind.

Wir empfehlen daher, einen vielfältigen und lebendigen öffentlichen Raum zu schaffen statt primär auf Kontrolle und Repression zu setzen. Das “Recht auf Stadt” der unterschiedlichen Nutzergruppen zu wahren kann Sicherheitsproblemen vorbeugen, Angsträume vielfältigt beleben, die subjektiv empfundene Sicherheit steigern und Kontroll- und Verdrängungsmaßnahmen präventiv unnötig machen.

Kontakt / Rückfragen:

Themengruppe Mobilität der Agora Köln, mobilitaet@agorakoeln.de .

Mehr Informationen zur Agora Köln gibt es unter www.agorakoeln.de

Die Agora Köln wird juristisch getragen vom Institut Cultura 21 e.V., Berlin.

 

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