Gutes Leben, Stellungnahme
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Quo vadis, Autonomes Zentrum?

Sehr geehrte Frau Reker,

Ein paar kurze Gedanken zum AZ.

Wir brauchen, auch in der wachsenden Stadt Köln, Freiräume. Freiräume für sozio-kulturelles Engagement, für Austausch und Vernetzung, für die „Software“ der Stadtgesellschaft. Insbesondere auch Orte, an denen Jugendliche und junge Erwachsene demokratische, gemeinschaftliche Strukturen ausprobieren können.  

Das Autonome Zentrum ist einer dieser Orte, genauso wie die Bürgerzentren, die Bauwagenplätzen etc. Manche dieser Orte sind in der letzten Zeit weggefallen, wie Jack in the Box, andere fallen zeitnah weg, wie zum Beispiel auf dem Helios-Gelände. In anderen Städten (Krefeld, Wuppertal, Berlin, Hamburg) gibt es spannende Ansätze, im Rahmen einer gemeinwohlorientierten, genossenschaftlichen Nutzung Flächen für die Bürgerschaft zu sichern. In Köln hängen wir hier hinterher.

Die „Verlagerung“ des Autonomen Zentrums an einen Alternativstandort löst das Problem auf gesamtstädtischer Ebene nicht. Wir brauchen mehr, nicht weniger Flächen für kreative, offene Nutzungen. Wir brauchen diese auch zentral und gut zugänglich, an Orten, die in der „Stadt der kurzen Wege“ funktionieren, die mit Nahmobilität gut erschlossen sind.

Wir möchten daher anregen, die Verlagerung des AZ nochmal neu zu denken und dem jetzigen Standort solange eine Bestandsgarantie und Vertragsverlängerung zu geben, bis eine nachhaltige und dauerhafte Lösung gefunden ist. Ob diese dauerhafte Lösung an dem aktuellen Standort an der Luxemburger Straße liegt, oder sich vielleicht im Rahmen der Entwicklung der Parkstadt Süd finden lässt, kann nur in einem gemeinsamen Diskussions- und Entwicklungsprozess entschieden werden.

Das urbane Grün ist auch uns ein Anliegen, wir sollten es bewahren und ausbauen, auch und gerade rund um die schwer mit Verkehr belastete Luxemburger Straße rum. Die Aufnahme von ernsthaften Gesprächen und einer klaren Aussage von Seiten der Stadt Köln, in dem sie sich verpflichtet einen akzeptablen und dauerhaften Standort für das AZ  zu realisieren, müsste der nächste Schritt sein. Zeigen sich bei der Untersuchung verschiedener Gebiete – wie dem der Parkstadt Süd – mögliche Alternativstandorte, können die Planungen für die Verlängerung des Grüngürtels und der Verbindung zum Volksgarten parallel zur Entwicklung eines neuen und dauerhaften Standortes für ein AZ wieder aufgenommen werden.

Aber auch ein Verbleib des AZ am Standort an der Luxemburger Straße muss kein Widerspruch zur Entwicklung der Verlängerung des Grüngürtels  sein – denn dies bietet aus unserer Sicht auch eine Reihe von Vorteilen:

  • Er schirmt die neu entstehenden Grünflächen vom Verkehr an der Luxemburger ab, sowohl was die Lärm- als auch die Schadstoffbelastung angeht.
  • Er schafft einen Anlaufpunkt im Entrée der Grünfläche, der diese belebt und diese auch in den Wochenend- und Abendzeiten zu einer aktiv genutzten Fläche machen kann (ähnlich wie die Unigebäude jenseits der Luxemburger Straße).
  • Er bietet dem AZ die Chance, sich durch Durchwegung, Begrünung und ähnlichen Maßnahmen einer breiteren Bürgerschaft zu öffnen. Zugleich werden die aktuellen Erfolge und Strukturen gesichert.
  • Er schafft einen Kontrapunkt zum Stadtarchiv und einen spannenden städtischen Raum zwischen den beiden Gebäuden – Historie und Bewahrung auf der einen Seite, Aufbruch und Veränderung auf der anderen.
  • Er sichert einen Ort des bürgerschaftlichen, politischen Engagements von Jugendlichen und jungen Erwachsenen.
  • Andere, momentan als Standort für das AZ analysierte Gebäude können für andere kreativwirtschaftliche Nutzungen gesichert werden (ggf. in Zusammenarbeit mit der Montag Stiftung urbane Räume, der Trias-Stiftung oder ähnlichen Akteuren).  
  • Das Filmhaus in der Maybachstraße, der Biergarten des Bürgervereins Rathenauplatz, der Stadtgarten, das Stollwerck, die Mütze in Mülheim zeigen, wie sich öffentliche, bürgernahe Kulturnutzung in Grünflächen integrieren lässt. Wie sie belebend und aktivierend wirken kann. Wie sie die Qualität und das Erleben der Grünfläche fördern kann.   

Seien Sie mutig. Setzen sie sich ein für eine pragmatische und zugleich spannende Lösung: Verlängerung des Vertrags mit dem AZ über den 31.12.2018 hinaus, verbunden mit dem Start eines kooperativen Beteiligungsverfahrens, dass eine Entwicklung des Grüngürtels mit Verbleib des AZ am heutigen Standort sowie eine alternative Variante mit Entwicklungsmöglichkeiten für das AZ innerhalb der Parkstadt Süd entwirft.    

Mit freundlichen Grüßen,

Ihre Agora Köln

 

5 Kommentare

  1. Lol ey sagt

    Sorry, aber habt Ihr Euch die Müllhalde mal selbst angesehen? Das AZ ist ein runtergekommener, sanierungsbedürftiger Schandfleck, der weder besonders einladend ist als „Kulturzentrum“ noch jedem offen steht wie oftmals behauptet. Ich kann mir ehrlich gesagt keine bessere Verwendung der Fläche auch im ökologischen Sinne vorstellen, als diesen Betonplatz zurück in eine Wiese zu verwandeln.

    • GrünD*umen sagt

      Dass die Wände jede Woche anders aussehen finde ich eher ein Zeichen von Leben. Pläne das AZ grüner zu machen, gibt es schon lange. Mit einer Entfristung des Nutzungsvertrages würden diese Pläne umsetzbar. ( Diese sehen übrigens weit höhere Biodiversität und Biomassendichten vor als anzukarrender Rollrasen 😉

  2. Tobias Müller sagt

    sollte verlegt werden. Ein Schandfleck im Entree der Stadt. Nicht gegen Freiraum aber nicht dort

  3. lilia sagt

    Vielleicht zu gewissen Bedingungen, dass das AZ mit vielenMmenschen zusammen gestaltet wird. Kann schon verstehen, dass es nicht sehr einladend wirkt auf Menschen, die nichts mit dem AZ zu tun haben.

    • inVVert sagt

      hmm….kurze Internetrecherche ergab:
      3489 Unterstüzer*innen in derzeit 30+ aktiven Gruppen:

      change.org/p/azbleibt-das-autonome-zentrum-köln-bleibt-eine-lebenswerte-stadt-für-alle

      az-koeln.org/gruppen-projekte

      Köln unterstütz doch eigentlich die Kunst und Ehrenamte!?! Die Graffiti-Außenfassade ist auch nicht gerade meine Kultur, ävver:
      Jede Jeck is anders“

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