„Die Freiheit aller“ / Kommentar zum Boulevard Ehrenfelder Freiheit

Der Kölner StadtAnzeiger hat groß über den Boulevard Ehrenfelder Freiheit berichtet – das freut uns! Samstag 17 bis Sonntag 17 Uhr, den Sommer über: Das regt Phantasie und Diskussionen an. Und wirft Fragen auf! Hier unsere Antwort.

Während die Idee einer autofreien Straße den StadtAnzeiger an sich begeistert, wird auch Kritik geäußert:

Aber wohin? Das sagen die Initiatoren von „Ehrenfelder Freiheit“ nicht. Der Verkehr löst sich nicht in Luft auf. Er wird sich Ausweichrouten suchen, genau wie sich etliche Anwohner notgedrungen andere Parkplätze für ihr Auto suchen müssten, sollte das Projekt umgesetzt werden.

Aber stimmt das? Hier unsere Antwort:

„Die Freiheit aller“

 
Traumhafte Zustände – das sieht der Kommentar vom 8. Dezember 2016 im Ehrenfeld-Teil des StadtAnzeigers auf der Venloer Straße, wenn der Boulevard Ehrenfelder Freiheit umgesetzt wird.
 
Gleichzeitig warnt er vor Ausweichrouten und Parkdruck. Ist das nachvollziehbar? Erfahrungen vom Times Square in New York bis zum Seine-Boulevard in Paris zeigen, dass der Autoverkehr insgesamt abnimmt, wenn man einzelne Straßen sperrt. Etwa 80% aller PKW-Fahrten in der Stadt sind kürzer als 6 Kilometer – dies belegen Verkehrszählungen. Diese Strecken lassen sich in der Stadt mit ÖPNV oder dem Rad gut zurücklegen. Sichere, autofreie Zonen zu schaffen ist ein wirkungsvoller Weg, die Menschen dazu einzuladen,  das Auto stehen zu lassen und für Bus, Bahn oder Rad zu nehmen.
 
Natürlich gibt es Ausweichverkehr und den sollte man auch erfassen. Aber langfristig passen die Verkehrsteilnehmer sich an: „Wer Straßen baut, wird Autos ernten“, sagt der Stadtplaner Jan Gehl, den die Stadt 2014 ins VHS Forum eingeladen hat (der StadtAnzeiger hat groß berichtet). Der Umkehrschluss stimmt auch: Wer dem Autoverkehr Flächen entzieht, bekommt neue, bessere Mobilität. 
 
Nächsten Sommer werden die Anwohner der Subbelrather und Vogelsanger Straße dann durch die ruhigen Seitenstraßen zur Venloer schlendern – und dort einen Kaffee trinken, ein Schwätzchen halten, mit dem Rad, Longboard oder Rollator die gemeinsame Freiheit genießen. 
 
Und vielleicht steht ein Lokalreporter des StadtAnzeigers an der Ecke, siehts ich das bunte Treiben an und summt „Beautiful Noise“ von Neil Diamond. Uns würd’s freuen. 
 
Text: Martin Herrndorf, Ute Symanski für die „Initiative Boulevard Ehrenfelder Freiheit

2 Gedanken zu “„Die Freiheit aller“ / Kommentar zum Boulevard Ehrenfelder Freiheit

  1. Ich empfehle Ihnen, sich ehrlich zu machen und in „Krieg gegen des Autol e. V.“ umzubenennen. Nicht genug, dass Sie mit Ihren Handkarren wertvolle Parkplätze blockieren, die mit Steuermitteln gebaut und von demokratisch legimitierten Regierungen beschlossen worden sind. Am liebsten möchten Sie Straßen sperren. Sie sind in der Minderheit! Gründen Sie doch eine Partei, statt die Mehrheit zu drangsalieren. Besonders erschreckend finde ich den Zynismus Ihrer Namensgebungen. „Parkraumwunder“ statt Parkplatzblockade. „Ehrenfelder Freiheit“ statt Straßensperrung.Wo solche Euphemismen gepflegt werden, ist der Totalitarismus im Kopf nicht weit.

    • Lieber Herr Meiners,

      Sie haben Recht – wir haben die Überzeugung, dass das Auto in der Zukunft nicht mehr die hervorgehobene Rolle spielen kann und wird, die es momentan hat. Unter anderem wird es weniger Parkplätze geben (dafür mehr Carsharing), wodurch in den Straßen Freiraum entsteht.

      Unsere Vorstellungen finden Sie hier in unserem Mobilitätskonzept – vielleicht lesen sie sich mal rein?
      http://www.agorakoeln.de/mobilitaet/

      Im übrigen sinkt der Autoverkehrsanteil in Köln seit Jahren, und die Stadt hat in ihrem Mobilitätskonzept „Mobil 2025“ bekräftigt, dass er weiter sinken soll. Unsere Maßnahmen entsprechend als durchaus demokratisch legitimierten Zielen.

      Mit freundlichen Grüßen,
      Ihre Agora

      Herzliche Grüße,
      Martin

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